Wir schützen was wir lieben

Sonnenaufgang am Feilkopf ©TomKlockerPhoto

Das Karwendel wurde zum österreichischen Naturpark des Jahres 2020 gekürt. Geschützt wird aber nicht nur die Natur-, sondern auch die Kulturlandschaft, die seit Jahrhunderten das Bild des Landes prägt. Gemeinsam bilden sie eine liebens- und erhaltenswerte Symbiose.

Gleich am Westufer des Achensees beginnt das Karwendel, Österreichs größter Naturpark. Bizarre Felsgebilde treffen dort auf saftig grüne Almwiesen, rauschende Wildbäche fließen durch kleine Täler, verschiedenste Tiere und Pflanzen haben hier ihren Rückzugsraum. Das klingt nicht nur kitschig-schön, es ist auch so. Damit das so bleibt, wurde bereits 1928 der Vorläufer des heutigen Naturparks gegründet, in den heutigen Grenzen besteht er seit 1989. Dabei wurde aber keineswegs eine überdimensionale Käseglocke über das Gebiet gestülpt. Vielmehr ist man Jahr für Jahr, rund um die Uhr, um ein gutes Miteinander von Mensch und Natur bemüht.

Oberster Hüter dieses fragilen Zusammenlebens ist Hermann Sonntag, Geschäftsführer des Naturparks. Mit seinem Team arbeitet er jährlich zahlreiche Projekte ab, die dem Schutz und der Revitalisierung der Natur dienen, aber auch den zahlreichen Besucherinnen des Karwendels eine Freude machen. Eines dieser Unternehmen ist die Wiederherstellung der Moore im Bereich vom Achenwald und Bächental. Diese Methusaleme unter den Biotopen im Karwendel sind rund 10.000 bis 15.000 Jahre alt. In den 1960er- und 1970er Jahren wurden sie allerdings entwässert, um sie für Forst- und Landwirtschaft nutzbar zu machen. Seit 2004 läuft ein umfangreiches Renaturierungsprogramm für die 14 Nieder- und Hochmoore. Mit Lärchenpfahlen wurden mit Hilfe der Österreichischen Bundesforste Dämme gebaut, damit das Wasser im Boden bleibt. Die Erfolge sind inzwischen mal mehr, mal weniger sichtbar, erzählt Hermann Sonntag: „Man beobachtet, dass sich in den letzten zehn Jahren die Torfmoose wieder angesiedelt haben.“

Mit den Mooren kehren auch seltene Pflanzen wie der Sonnentau zurück. Er gedeiht an kargen, nährstoffarmen Standorten. Die Nahrung holt sich die fleischfressende Pflanze aus den Tieren, die sie „verspeist“. Überdies  können die Torfmoose das 30-Fache ihrer Trockenmasse an Wasser speichern und sind so wichtige „Rückhaltebecken“ bei starkem Niederschlag.